02. Februar 2022

Vortrag von Prof. Dr. Lambert Wiesing im Rahmen des Studium Generale und der Vortragsreihe
»Verantwortung für die Gesellschaft: Medien. Macht. Wirklichkeit.«

Bilder zählen zu den zentralen Medien in demokratischen Gesellschaften. Auf welche Weise kann durch Bilder welche Art von Wirklichkeit konstruiert werden? Und warum sollte nicht von der Digitalen Fotografie gesprochen werden? Diesen und weiteren Fragen widmete sich Prof. Dr. Lambert Wiesing in seinem Vortrag im Studium Generale am 02. Februar 2022. Wiesing ist Professor für Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie seit 2019 Präsident der Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung.

Innerhalb seines Vortrags geht Prof. Dr. Lambert Wiesing auf die besondere Form der digitalen Fotografie ein. Um die digitale Fotografie beschreiben zu können, muss man sich laut Wiesing zunächst mit dem Begriff der Illusion und der Fiktion befassen. Er erzählt, dass zu der Frage was ist fiktionale Literatur eine große Anzahl an Literatur zu finden ist. Zu der Frage was sind fiktionale Bilder wiederum fand er nur einen einzigen Aufsatz. Er erklärt dieses Phänomen dadurch, dass in der philosophischen Bildtheorie davon ausgegangen wird, dass alle Bilder fiktive Dinge zeigen. Unter anderem vertrat Edmund Husserl, der Vater der Phänomenologie, diese Meinung.

Der Referent beschäftigte sich daher zunächst mit der Frage, warum im 20. Jhd. die Meinung verbreitet war, dass alle Bilder Fiktionen sind. Er betont, dass immer drei verschiedene Aspekte kategorial unterschieden werden müssen, wenn von Bildern gesprochen wird: Bildträger, Bildobjekt und Bildsujet. Der Bildträger ist das physische Material. Das Bildobjekt ist das, was auch als Darstellung bezeichnet werden kann – z.B. ist das Bild in schwarz-weiß oder in Farbe? Das Bildobjekt wird dabei auf dem Bildträger sichtbar. Das besondere beim Bildobjekt ist, dass dort etwas zu sehen ist, dass nicht den Gesetzen der Physik unterliegt – ein Bildobjekt kann man weder riechen, schmecken noch anfassen. Wiesing betont, dass Fiktion im Grunde ein anderes Wort für Bildobjekt darstellt. Dies nennt er als Erklärung dafür, warum viele große Bildtheoretiker bei Bildern per se von einer Fiktion sprechen. Das Bildsujet wiederum ist der Bildinhalt, also das, auf das sich im Bildobjekt bezogen wird.

Mit Blick auf die Fotografie ergibt sich nun laut dem Referenten ein Paradigmenwechsel. In der Philosophie gibt es a priori keine fiktionale Fotografie. Wird beispielsweise ein Foto des Eifelturms gemacht, dann findet ein physikalischer Vorgang statt und der Chip in der Kamera wird kausal beeinflusst. Der Bildträger wird kausal produziert, d.h. es spielt kein menschlicher Wille mit rein. Es lässt sich z.B. auch nicht Superman fotografieren, da es sich dabei um eine fiktive Person handelt, die nicht vor der Kamera stehen kann. Ein Bild von Superman kann wiederum angefertigt werden. Laut Wiesing lässt sich aufgrund dessen sagen, dass es a priori keine fiktionale Fotografie gibt. Aus diesem Grund kann die Fotografie etwas beweisen. In einem Gerichtsprozess beispielsweise kann eine Person mittels einer Fotografie überführt werden, da Fotografien kausale Spuren darstellen.

Wie bereits erläutert, entsprechen in der Bildtheorie alle Bilder Fiktionen. In der digitalen Fotografie ergibt sich nun laut Wiesing ein neues Phänomen. Viele digitale Bilder sehen aus wie Fotografien – hier besteht das Phänomen einer Illusion des Mediums. Es besteht die Illusion, dass eine Fotografie vorliegt, obwohl dies nicht der Fall ist. Im Gegensatz zu einer tatsächlichen Fotografie stand nie ein Objekt vor der Kamera.

In der Kunst gibt es bereits ein ähnliches Phänomen: den Fotorealismus. Dabei handelt es sich z.B. um Zeichnungen, die mit der Illusion verbunden sind, dass sie Fotografien sind. Bei genauerer Betrachtung lässt sich jedoch erkennen, dass es sich dabei tatsächlich um Zeichnungen handelt.

Laut Wiesing ist es ein großer Fehler die digitale Fotografie als solche zu bezeichnen. Die digitale Fotografie sieht aus wie eine reale Fotografie, d.h. sie verliert ihren fiktiven Charakter und erscheint als Wahrheitstreu, obwohl sie das nicht ist. Laut dem Referenten handelt es sich daher bei der digitalen Fotografie um ein gutes Medium mit dem unter anderem Fake News und Manipulationen in die Welt gesetzt werden können.

Prof. Dr. Wiesing plädiert daher dafür die digitale Fotografie als das zu bezeichnen, was sie tatsächlich ist: Digitale Malerei.

Miriam Feger, Volontärin, Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Hochschule Reutlingen

24. November 2021

„Von Likes zu Fakes: Zur psychologischen Wirkung von Desinformation und Microtargeting“

Vortrag von Prof. Dr. Stephan Winter vom 24. November 2021 im Rahmen des Studium Generale. Stephan Winter ist Professor für Medienpsychologie an der Universität Koblenz-Landau.

Soziale Medien. Inzwischen dürften die meisten von uns zumindest auf einer Plattform zu finden sein. Dabei begann alles vor vielen Jahren mit Seiten wie z.B. schülerVZ oder studiVZ. Diese Plattformen dienten vor allem für soziale Kontakte, zum Austausch mit Gleichgesinnten und für die gezielte Selbstdarstellung. Prof. Winter führt hier in seinem Vortrag das sogenannte ‚Impression Management‘ an. Dabei handelt es sich um den Versuch, einen möglichst guten Eindruck der eigenen Person zu vermitteln – sei es bei einem Date, Bewerbungsgespräch oder im normalen sozialen Miteinander. Insbesondere das Impression Management kann als starkes Motiv für die Sozial Media Nutzung genannt werden. Dabei zeigt sich, wer bereits in der ‚Offlinewelt‘ eher extrovertiert ist und sich gerne selbstdarstellt, der tut dies auch verstärkt in den Sozialen Medien.

Seit studiVZ ist viel Zeit vergangen. Die Sozialen Medien feiern mit inzwischen mehr als 3 Milliarden Nutzer:innen einen weltweiten Siegeszug. Da diese Plattformen häufig über das Smartphone und mobiles Internet genutzt werden, können wir inzwischen permanent miteinander verbunden sein, uns austauschen und durch den Newsfeed schauen. Bei letzterem handelt es sich um die größte Neuerung. Vor allem bei der jüngeren Bevölkerung werden inzwischen Soziale Medien verstärkt als Nachrichtenquelle genutzt – sei es bei wissenschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Themen.

Durch diese neue Entwicklung kommen laut dem Referenten auch Befürchtungen bezüglich möglicher Auswirkungen auf, wie z.B. die Sorge um Echokammern und Filterblasen sowie Falschinformationen und aggressiven Kommentaren. Prof. Winter führte eine Studie aus dem Jahr 2019 an, die zeigte, dass 72% der befragten Internetnutzer:innen persönlich schon einmal (vermutliche) Fake News im Internet aufgefallen sind. Winter sieht den Begriff „Fake News“ als problematisch, da dieser auch dazu genutzt wird, um missliebige aber journalistisch saubere Medien zu kritisieren. Was versteht man also unter Fake News? Laut Winter enthalten diese Äußerungen oder Berichte tatsächlich eine falsche Information, die darüber hinaus intentional so platziert ist. Zum anderen wird die Ähnlichkeit zu einer traditionellen Nachricht geschaffen, um so andere gezielt in die Irre zu führen. Aufgrund des Aufkommens von Fake News werden Befürchtungen laut, wie z.B. der Verlust des Vertrauens in die Demokratie, Ablenkung von wirklich wichtigen politischen Themen oder realen Informationen sowie die Angst davor, dass Falschinformationen die Menschen manipulieren könnten. Winter relativiert diese Befürchtungen jedoch in seinem Vortrag. Bei Fake News handelt es sich laut ihm um keine Wunderwaffe, mit der die öffentliche Meinung manipuliert werden kann. Die Wirkung beschränkt sich stattdessen auf einen eher kleinen Teil der Bevölkerung. Diese Gruppen haben bereits bestimmte Voreinstellungen, die durch Fake News dann weiter verstärkt werden. Der Großteil der Gesellschaft kommt stattdessen noch mit genügend widersprüchlichen Meinungen in den Sozialen Medien in Berührung und verfügen über eine entsprechende Medienkompetenz.

Im zweiten Teil seines Vortrags behandelte Prof. Winter das Thema Microtargeting. Laut Winter befindet sich hinter dem Begriff die Grundidee, dass Botschaften bzw. Werbung, die auf Eigenschaften oder Interessen der Empfänger:innen zugeschnitten sind, persuasiver wirken. So gibt es Anzeigen, die beispielsweise vor allem auf Extrovertierte zugeschnitten sind. D.h. es gibt unterschiedliche Werbeanzeigen für unterschiedliche Personengruppen aber jeweils zum selben Produkt. Winter führt an, dass es jedoch kaum experimentelle Experimente gibt, die die Wirkung dieser unterschiedlichen Anzeigen tatsächlich belegen können. Untersuchungen zeigen viel mehr, dass keine signifikanten Effekte auf die Produkteinstellung und Kaufintention zu finden sind. Dadurch kommt jedoch die Frage auf, wie viele Informationen Algorithmen aus unserer Online-Selbstdarstellung ablesen können? Durch gewisse EU-Regulierungen wird laut Winter das Microtargeting bei uns stärker begrenzt als beispielsweise in den USA. Alter, Geschlecht und wo wir herkommen sind dabei die demokratischen Daten, die hauptsächlich erfasst werden. In den USA werden häufig zusätzliche Datensätze zu Persönlichkeitseigenschaften gesammelt, die auf den Like-Angaben der Nutzer:innen beruhen.

Abschließend fasst Winter zusammen, dass neben den Problemen der verzerrten oder falschen Informationen Soziale Medien jedoch auch die Partizipation erhöhen können. Inzwischen ist es viel einfacher sich politisch zu Wort zu melden. Protestbewegungen, wie beispielsweise Fridays for Future, sind daher unter anderem stark in den Sozialen Medien unterwegs.

Heutzutage findet sich online eine schier unbegrenzte Informationsvielfalt. Laut Prof. Winter liegt dort mit der richtigen Medienkompetenz ein großes Potenzial für einen rationalen Diskurs. Er merkt jedoch auch an, dass in Zukunft noch weitere Forschungen zu den neuen Plattformen und dem Potenzial von Microtargeting notwendig sind.

Der nächste Vortrag des Studium Generale „Medienphilosophie: Bilder, Illusionen und digitale Fotografie“ von Prof. Lambert Wiesing findet am 02. Februar 2021 um 18:15Uhr statt.

Miriam Feger, Volontärin, Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Hochschule Reutlingen

17. November 2021

Digitalisierte Medienwelten gestalten

Vortrag von Prof. Dr. Katrin Schlör im Rahmen des Studium Generale und der Vortragsreihe »Verantwortung für die Gesellschaft: Medien. Macht. Wirklichkeit.«

Digitalisierte Medienwelt: Die Digitalisierung bringt viele Potenziale mit sich, sie zieht aber auch eine digitale Spaltung durch unsere Gesellschaft. Was bedeutet die Teilhabe in, an und durch Medien? Und wie kann es gelingen, alle Menschen zu kompetenten Mediennutzer:innen zu machen? Diesen und weiteren Fragen widmete sich Dr. Katrin Schlör, Professorin an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg am Campus Reutlingen, in ihrem Vortrag im Studium Generale am 17. November 2021.

Katrin Schlör erklärte zu Beginn ihres Vortrags, dass in den Medienwissenschaften seit den 1990er Jahren über den sogenannten ‚Digital Divide‘ (dt. Digitale Spaltung) diskutiert wird. Dabei ging es zunächst um den ungleichen Zugang zu digitalen Informationstechnologien. Im Laufe der Jahre konnte diesbezüglich eine Besserung festgestellt werden, aber es hat sich auch gezeigt, dass es immer noch ungleiche Verteilungen gibt. Diese Probleme finden sich dabei nicht nur global, sondern auch unter uns gibt es weiterhin ‚Offlinewelten‘, wie auch die Corona-Pandemie verdeutlicht hat.  

Eine Studie des Hans-Bredow-Instituts zur Mediennutzung während des 1. Lockdowns zeigte, dass nur ¾ der befragten 10 bis 18-Jährigen Schüler:innen über schnelles Breitbandinternet verfügten. Knapp 1/3 nahm an gar keinem Online-Unterricht teil – 8% davon aufgrund fehlender Endgeräte, sowie 7% aufgrund einer unzureichenden Internetverbindung.

In der heutigen Zeit wird sich in den Medienwissenschaften vor allem die Rolle von Algorithmen angeschaut. Beispielsweise im Hinblick auf Filterblasen und welche Auswirkungen diese auf die politische Haltung und Teilhabe besitzen, aber auch welche sozialen Konsequenzen dadurch entstehen können.

Was genau bedeutet jetzt aber Teilhabe in Medien? Die Referentin erklärt, dass es dabei vor allem um die Frage geht, wie bestimmte soziale Gruppen in den Medien repräsentiert sind. Dies ist entscheidend dafür, wie sichtbar diese Gruppen auch in unserer Gesellschaft sind. Studien zeigen, dass z.B. im Fernsehen immer noch eine ungleiche Geschlechterverteilung vorliegt und Diversität ebenfalls wenig zu sehen ist. Als Grund dafür nennt Katrin Schlör unter anderen die wenig diversen Redaktionen. Mehr Diversität dort könnte laut ihr ein zentraler Ansatzpunkt sein, damit auch die mediale Darstellung vielfältiger wird. Als weitere Lösungsstrategie nennt die Referentin die Medienpädagogik. Bei dieser geht es darum, sich mit Stereotypen, Klischees und stigmatisierten Darstellungen auseinanderzusetzen und Menschen zu befähigen, Medien selbst zu produzieren und damit zu einem vielfältigeren und selbstbestimmteren Bild in den Medien beizutragen.

Daran anschließend unterschied Katrin Schlör die Teilhabe an Medien. Damit ist die Zugänglichkeit (‚Accessibility‘) zu den Medien gemeint. Medienproduktionen sollten daher möglichst barrierefrei gestaltet sein. Darunter fällt unter anderem die technische Bedienbarkeit, aber auch die Wahrnehmung mit unterschiedlichen Sinnen (z.B. Gebärdensprache).  

Am Schluss ging die Referentin auf die Teilhabe durch Medien ein. Dabei geht es vor allem um die Beteiligung an öffentlichen Diskursen, bzw. die Möglichkeit sich überhaupt an der Mediengesellschaft beteiligen zu können.

Zukünftig sollten wir uns laut Katrin Schlör weiterhin mit Fragen beschäftigen wie: Wer darf an der Medienlandschaft teilhaben? Wo schließt die Digitalisierung bestimmte Menschengruppen aus? Es gibt verschiedene Faktoren die letzten Endes dazu führen, dass manche Menschen mehr an Medien teilhaben können als andere. Eine gemeinsame Aufgabe sollte es daher sein, sensibel gegenüber Benachteiligungen zu werden, einen Zugang für alle zu schaffen, Barrieren abzubauen und somit allen ihr Recht auf Teilhabe zu gewähren.

Der nächste Vortrag des Studium Generale „Von Likes zu Fakes: Zur psychologischen Wirkung von Desinformation und Microtargeting“ von Prof. Stephan Winter findet am 24. November 2021 um 18:15Uhr statt.

Miriam Feger, Volontärin, Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Hochschule Reutlingen

Prof. Dr. Frank Brettschneider / Pressefoto Universtität Hohenheim
Prof. Dr. Frank Brettschneider

20. Oktober 2021

STUDIUM GENERALE: Wahlkampf 2021: Plakat, Präsenz und Social Media

Wahlstatistik: Von wegen langweilig!

Am Mittwoch Abend, 20.10., hat die erste Veranstaltung des Studium Generale 2021/22 in der Aula der Theologische Hochschule Reutlingen stattgefunden. Zu dieser Ringvorlesung laden die Reutlinger Hochschulen ein (Hochschule Reutlingen, Theologische Hochschule Reutlingen, Campus Reutlingen, Evangelische Hochschule Ludwigsburg – Campus Reutlingen, Evangelische und Katholische Hochschulgemeinde Reutlingen), sie dreht sich in diesem Semester um die Thematik »Medien, Macht, Wirklichkeit«.

Als erster Gast konnte der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider (Universität Hohenheim) gewonnen werden, der einem großen Publikum auch außerhalb des akademischen Betriebs durch zahlreiche Auftritte in den gorßen Medien bekannt ist. Er hat über eines seiner Kerngebiete referiert: Wahlstatistik und Wahlanalyse.

Was auf den ersten Blick ermüdend und tendenziell langweilig-trocken erscheint, war in Wirklichkeit faszinierend, unterhaltsam und äußerst spannend. Prof. Brettschneider führte in einer ersten Runde durch die bunte Welt der Wahlstatistik, die ihre Daten über einen längeren Zeitraum vor, während und nach den Wahlen sammelt. Er ließ den Wahlkampf seit dem Frühling revue passieren und zeigte, wie sich die Maskenaffäre, die Plagiatsaffäre und die Flut-Lachen-Affäre bei den entsprechenden Kandidaten statistisch niedergeschlagen hat. Zahlen kommen zum Leben, wenn sie mit der konkreten Geschichte verbunden werden. Das Fazit von Brettschneider: Scholz, nach Stimmen der Wahlsieger, schnitt weder besonders gut ab, noch führte er einen markanten Wahlkampf. Er profitierte wenn nicht einzig, so doch vor allem davon, dass seine Konkurrenz von einem Fettnäpfchen ins nächste stolperten, während er unbescholten durch den Sommer kam. Sein Ergebnis ist nicht gut, aber viel besser als erwartet, und vor allem viel besser als das der anderen.

In einer zweiten Runde versuchte der Referent, die Daten zu interpretieren, und hier wurde deutlich, dass es keine Globalinterpretation gibt, sondern Altersgruppen, Parteipräferenzen und Medienkonsum interagieren und zu differenzierten Resultaten führen. So sprechen etwa Wahlplakate vor allem Stammwähler an (in der Regel im Alter von 60+), die aber mehrheitlich schon früh per Briefwahl abstimmen. Plakate mit den Köpfen der Lokalkandidaten in den Dörfern sind – so Brettschneider – sinn- und nutzlos, »herausgeworfenes Geld«, während die Social-Media-Auftritte nur die untere Hälfte der Altersskala anspricht, und auch hier gilt es zu differenzieren: Instagram für 18-30-Jährige, Facebook für 40+. Oder pointiert ausgrdrückt: Wer jung und cool ist, benutzt nicht Facebook.

Weitere, willkürlich zusammengestellte Details: AfD-Wähler:innen nutzen die Medienvielfalt am wenigsten und lesen oder liken vor allem das, was andere AfD-Wähler:innen auch lesen/liken. Grüne Wähler:innen sind sowohl mit der Lebensqualität wie auch mit der wirtschaftlichen Situation Deutschlands am zufriedensten, und dies mit 88% resp. 72%. Armin Laschet konnte auch in der eigenen Partei nicht überzeugen und hat noch nicht einmal das Potenzial der eigenen Wähler:innen ausgeschöpft.  Und schließlich hat die Union gegenüber der Wahl 2017 Hundertausende von Stimmen verloren, weil die Wähler:innen mittlerweile verstorben sind und nicht durch jüngere ersetzt werden konnten.

Statistik ist faszinierend, Prof. Frank Brettschneider ein eloquenter Referent und scharfsinniger Analytiker, und bei der nächsten Wahl wird alles wieder anders. Oder auch nicht. Ein hochinteressanter Abend.

Der nächste Teil der Ringvorlesung findet am 17.11. um 18:15 an der Theologischen Hochschule statt (Livestream möglich). Es referiert Frau Prof. Dr. Katrin Schlör, Dozentin für Kulturarbeit, ästhetische und kulturelle Arbeit, zum Thema »Teilhabe in, an und durch Medien – digitalisierte Medienwelten gestalten.«

Dr. Christoph Schluep

16. Juni 2021

STUDIUM GENERALE: „MEDIEN – MACH(T)EN – WIRKLICHKEIT“

 

Vortrag von Prof. Anja Hartmann und Prof. Dr. Gabriela Tullius im Rahmen des Studium Generale und der Vortragsreihe „Verantwortung für die Gesellschaft: Medien. Macht. Wirklichkeit.“

Menschen Mach(t)en Medien: Welchen Wandel gab es in der Mediennutzung? Welches Menschenbild schaffen wir uns durch die Medien? Welche Macht haben Medien über unser Bild der Realität? Und wie kommt dabei die Informatik zum Einsatz? Diesen Fragen widmeten sich Anja Hartmann und Gabriela Tullius in ihrem Vortrag „MEDIEN – MACH(T)EN – WIRKLICHKEIT“ im Studium Generale am 16. Juni 2021. Anja Hartmann ist Professorin für Audiovisuelle Medien und Gabriela Tullius ist Professorin für Interaktive und Kooperative Systeme. Beide lehren an der Hochschule Reutlingen und betrachten das Thema Medien aus der Perspektive der Informatik.

In Ihrem Vortrag ging Frau Hartmann unter anderem darauf ein, inwieweit die Medien Klischees bzw. Rollenbilder vermitteln. So wurde der Mann früher häufig als Beschützer der Familie dargestellt und die Frau als Versorgerin und Mutter. Dieses Bild zog sich dann in den Medien auch bis in die Nachkriegszeit hinein. Es entstanden Genderklischees, unter denen alle gleichermaßen standen. Der Mann musste immer stark sein, die Frau immer weich und biegsam. Diese Klischees ziehen sich teilweise noch bis heute durch. Frau Hartmann nennt an dieser Stelle eine Situation, die sie vor kurzem erst auf einem Spielplatz beobachtete. Ein kleiner Junge weinte aus Angst vor einem Klettergerüst. Der Vater reagierte darauf, indem er zu dem Jungen meinte, dass ein Mann nicht weint. „Ich denke das kommt von diesen Klischees, die in den Medien dargestellt wurden. Das man sagt ‚Mann muss stark sein‘“, so Frau Hartmann. Durch Klischees dieser Art wird durch die Medien eine Realität geschaffen, die von den Rezipierenden häufig übernommen wird.

Beide Referentinnen zeigen auf, dass ein Wandel sowohl in der Mediennutzung als auch in der Kommunikation durch Medien zu beobachten ist. Im Nachkriegsdeutschland war das Radio, zusammen mit Printmedien wie der Zeitung, bis Ende der 60er Jahren das Leitmedium schlechthin. Der Fernseher zählte zu dieser Zeit noch zu den Luxusartikeln. Ab Ende der 60er Jahre kam es dann jedoch zu einem Wandel und der Fernseher übernahm langsam die Rolle des Leitmediums und wurde immer mehr in den Alltag integriert. Diese Rolle hatte es auch lange Zeit inne. Die sogenannte Generation Z – die heute ungefähr 24-Jährigen – ist jetzt jedoch die erste Generation, die es bevorzugt online ihre Zeit zu verbringen, anstelle fernzusehen oder Filme zu schauen. Sie sind es gewohnt, ihre Inhalte selbst zusammen zu suchen, sodass sie auch Wissen fast ausschließlich über das Internet abrufen. Dort sind sie jedoch mit einer Vielzahl an Informationen konfrontiert, sodass sie selber entscheiden müssen, was ist eigentlich die Realität und was ist frei erfunden, bzw. sind Fake News?

In diesem Zuge fragen sich Frau Hartmann und Frau Tullius, was überhaupt unter ‚Realität‘ verstanden werden kann? Realität ist zunächst der Begriff, dass etwas ist, ohne Wertung. Die Realität ist zudem immer individuell. Diese individuelle Realität kann durch sogenannte Filterblasen entstehen. Wenn sich beispielsweise jemand für Katastrophenberichte interessiert und diese öfters anklickt, wird dies durch die Algorithmen gespeichert. Berichte dieser Art werden dann dieser Person häufiger vorgeschlagen. D.h. man wird immer mit demselben Content gefüttert und verstärkt als Folge die eigenen Ansichten. Diese dadurch entstandene beschränkte Wirklichkeit findet sich aber nicht nur in den Sozialen Medien, sondern auch dann, wenn z.B. immer nur die gleichen Zeitungen gelesen werden. Frau Hartmann merkt an: „Sehen tun wir nur, was gezeigt wird. Was gezeigt wird existiert und was nicht gezeigt wird, nicht. Das war aber schon immer so. Medien können nur ein Teil der Realität abbilden und das wird natürlich auch genutzt, um gezielt Realitäten zu erzeugen.“

Medien machen viel, auch mit unserer Gesellschaft. Frau Hartmann fügt an, dass häufig eine gewisse Negativität mitschwingt: Medien machen dumm. Sie füttern einen mit Inhalten, bis man irgendwann kein eigenes Denken mehr hat. Aber Frau Hartmann betont auch, dass die Medien früher einseitiger waren. Inzwischen kann man, vor allem über Social Media Plattformen wie Instagram, viel selbst mitgestalten. Die Nutzerinnen und Nutzer sind in diesen Bereichen auch medienkompetenter geworden und setzten sich bewusster mit diesen Medien und Inhalten auseinander. Frau Tullius fügt an, dass man eben wissen muss, wie die Medien die eigene Wirklichkeit ein Stück weit beeinflussen können, aber auch wie man sie anwendet, um einen Nutzen daraus ziehen zu können.

Miriam Feger, Volontärin, Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Hochschule Reutlingen

19. Mai 2021

STUDIUM GENERALE: Können wir noch alles sagen?

 

Vortrag von Prof. Dr. Bodo Herzog im Rahmen des Studium Generale und der Vortragsreihe „Verantwortung für die Gesellschaft: Medien. Macht. Wirklichkeit.“

Informationsepidemie: Können wir noch alles sagen? Wie steht es um die Meinungsfreiheit? Was versteht man unter Informationspopulismus und zu was kann dies führen? Diese Fragen und weitere beantwortete Prof. Dr. Bodo Herzog in seinem Vortrag „Informationspopulismus: Digitale Echokammern – Degenerierter Debattenraum?“ im Studium Generale am 19. Mai 2021. Bodo Herzog ist Professor für Makroökonomie an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen und beschäftigt sich u.a. mit dem Thema integrative Kommunikation.

Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes zum Thema Meinungsfreiheit dürfte den meisten bekannt sein. Theoretisch gibt es rechtlich gesehen kaum Einschränkungen bezüglich der Meinungsfreiheit. Schaut man sich jedoch Umfragen an, wie die von Allensbach aus dem Jahr 2019, zeigt sich, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht das Gefühl hat, sich tatsächlich frei äußern zu können. Dabei handelt es sich allerdings um kein neues Phänomen.

In seinem Vortrag zeigt Bodo Herzog die geschichtliche Entwicklung des Populismus auf sowie die Unterscheidung zwischen linkem und rechtem Populismus. Er betont, dass Populismus bereits vor Christus ein Thema war. Der Begriff selbst kam jedoch zum ersten Mal Ende des 19. Jahrhunderts in den USA auf. Was ist jetzt aber heute neu an diesem Phänomen? Begonnen in den 1980er Jahren und durch die Digitalisierung und Echokammern vorangetrieben, führt dies laut Herrn Herzog zu einem Aufschaukeln und einem Diskurs, der sich nur noch in eine eindimensionale Richtung bewegt. Dadurch werden unter anderem Fake News und bestimmtes Wählerverhalten begünstigt.

Herzog sieht die Folge in einem verengten Debattenraum in der liberalen Demokratie. So finden sich inzwischen verstärkt nur noch Diskurse, aber keine Diskussionen mehr. Er vermisst ein Zusammenführen der Diskurse, das Eingehen auf die Argumente des Gegenübers und möglicherweise sogar die Annahme von anderen Überzeugungen. Also all das, was eine Diskussion ausmacht.

Was kann die Wissenschaft dazu beitragen, um dieses Problem zu lösen? Herr Herzog führt als Lösungsansatz die integrative Kommunikation an. Darunter versteht er eine breite Kommunikation über Verteilungsdimensionen und nicht nur von singulären Durchschnittswerten. Das heißt, wenn beispielsweise über Ungleichheit gesprochen wird, reicht es nicht zu erwähnen, was das Durchschnittseinkommen im Monat ist. Stattdessen muss sich die gesamte Verteilung über die Bevölkerung hinweg angeschaut werden.

In computerbasierten Simulationen untersuchte Herr Herzog den Einfluss von singulären und verteilungsspezifischen Informationen auf Gesellschaften und vor allem auf die Bevölkerungsgruppe der Populisten. Seine Ergebnisse zeigen, dass bei lediglich singulären Informationen der einseitige Diskurs zunimmt und der Anteil an Populisten in der Bevölkerung steigt. Werden stattdessen mehr Informationen gegeben, sinkt der Anteil an Populisten und Diskussionen sind eher möglich.

Die Digitalisierung hat auf der einen Seiten die Informationsverbreitung beschleunigt. Auf der anderen Seite haben die Echokammern jedoch dazu geführt, dass es zu einer Informationsreduktion kommt. Um aus diesem Paradox ausbrechen zu können, empfiehlt Herr Herzog, die Kommunikation über Informationen wieder auf eine breitere Basis zu stellen, d.h. alle Dimensionen eines Themas zu betrachten, um alle wieder miteinzubeziehen. Es müssen der Bevölkerung Informationen und Argumente an die Hand gegeben werden, durch welche sie in einem Diskurs mit anderen ins Gespräch kommen können. Dies ist laut Herrn Herzog durch die integrative Kommunikation möglich. Er appelliert zudem auch an die Medien, klar zwischen Meinungsjournalismus und dem Berichten über Fakten und Tatsachen zu trennen.

Miriam Feger, Volontärin, Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Hochschule Reutlingen

05. Mai 2021

Wie bilde ich mir eine Meinung in einer überinformierten Gesellschaft?

 

Vortrag von Prof. Dr. phil. Petra Grimm im Rahmen des Studium Generale und der Vortragsreihe „Verantwortung für die Gesellschaft: Medien. Macht. Wirklichkeit.“ der Reutlinger Hochschulen.

Informationsoverload: Wie kann man sich kompetent informieren und sich eine fundierte Meinung bilden? Und welche Auswirkungen kann eine Falschinformation haben? Diesen und weiteren Fragen widmete sich Prof. Dr. phil. Petra Grimm in ihrem Vortrag: „Wie bilde ich mir eine Meinung? Zur Informations- und Meinungsbildungskompetenz in Zeiten der ‚Infodemie‘“ im Studium Generale der Reutlinger Hochschulen am 5. Mai 2021. Petra Grimm, Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart, beleuchtete dabei das Thema insbesondere aus einer ethischen Perspektive.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Nachrichteninformationswelt stark verändert. So fragt Grimm anfangs: „Hätte denn in der Zeit vor Social-Media ein Politiker wie Donald Trump jederzeit unbegrenzt und massenhaft Unwahrheiten absetzen können und damit auch noch Gehör bei seinem Publikum gefunden?“ Sie selbst beantwortet die Frage mit: „wohl eher nicht“. Seit der Entstehung der Sozialen Medien, Internet-Plattformen und Suchmaschinen, gibt es deutlich mehr verfügbare Informationen als zuvor. Häufig werden diese Plattformen als Hauptnachrichtenquelle verwendet. Die Vielzahl an Informationskanälen kann jedoch dazu führen, dass die Nutzer*innen unbeabsichtigt mit Halbwahrheiten, Verschwörungen, Falschinformationen oder sogar Lügen in Berührung kommen. Sind wir also desinformiert in einer überinformierten Gesellschaft?

Grimm ging diesen Fragen unter anderem in einer Untersuchung zum Digitalen Wandel und dessen Bedeutung für Bürger*innen nach. Es zeigte sich, dass sich bei den Rezipient*innen eine zunehmende Verunsicherung über den Wahrheitsgehalt von Informationen einstellt. Diesem Problem sehen sich auch viele Jugendliche gegenübergestellt. So zeigt die aktuelle Pisa-Studie, dass Schüler*innen in Deutschland im Bereich der praktischen Quellenkompetenz weniger gut abschneiden. Sie haben häufig Schwierigkeiten dabei, Informationen von Meinungen zu unterscheiden. Grimm fordert daher für die Bildungspläne einen deutlicheren Schwerpunkt auf die Förderung der Informations- und Meinungsbildungskompetenzen der Schüler*innen.

Als mögliche Folge dieser entstandenen Unsicherheit und Konfrontation mit Falschinformationen nennt Grimm unter anderem eine negative und misstrauische Haltung gegenüber dem Mediensystem. Wenn die Erwartungen, Einstellungen und Werte der Bürger*innen nicht mit den von Journalist*innen oder Institutionen veröffentlichten Informationen übereinstimmen, entsteht Misstrauen, welches wiederum die Glaubwürdigkeit dieser Quellen beeinflusst. Nennen nun nicht-journalistische Quellen Falschinformationen, verstärkt dies das bereits bestehende Misstrauen. Häufig wird daher den falschen Informationen mehr geglaubt. Diese Falschinformationen haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf unsere Entscheidungen und Handlungen im Bereich der Politik, z.B. bei Wahlkämpfen. Fehlinformation kann sich negativ bis hinein in die persönliche Gesundheit auswirken, wenn es beispielsweise um das Thema Impfen geht.

Die Referentin warnt davor, dass sich der Grad an Desinformation in der Zukunft durch weitere Technologien verschärfen könnte. Sie fordert daher zur Suche der Wahrheit auf, indem die Geschichten und Erfahrungen aller betroffenen Personen Gehör finden.
Da die Sozialen Netzwerke in ihrer jetzigen Struktur ungeeignet dafür sind, einen angstfreien Vertrauensraum für einen Dialog zu schaffen, fordert Grimm eine Art „Alternatives Facebook“. Eine Plattform, in der Vertrauen möglich ist und die so die Verständigung und ein gemeinsames Denken unterstützt. Grimm sieht dabei die Aufgabe der Politik darin, die entsprechenden Regulierungen für den Einsatz dieser Plattformen zu veranlassen.
Wie können wir schließlich alle dazu beitragen, dass keine Falschinformationen weitergetragen werden? Grimm erwähnt zum Abschluss ihres Vortrags die drei Siebe des Sokrates. Durch jedes der drei folgenden Siebe sollte jeder Satz passieren, bevor er überhaupt geäußert wird:

IST ES WAHR?
IST ES WOHLWOLLEND?
IST ES WESENTLICH?

Miriam Feger, Volontärin, Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Hochschule Reutlingen

18.11.2020

Schulterschluss einer neuen politischen Rechten in Zeiten von Corona

Im Rahmen der zweiten Veranstaltung des Reutlinger Studium Generale, das sich in diesem Semester mit dem Thema „Verantwortung für die Gesellschaft: Demokratie in Zeiten von Corona!“ befasst, war am letzten Mittwoch der Vortrag von Dr. Hans-Ulrich Probst zu hören.

Hans-Ulrich Probst ist seit 1. September 2020 Referent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für die Themen Populismus und Extremismus. Er ist damit sowohl Ansprechpartner für innerkirchliche Beratungen, als auch Referent für Themen wie Antijudaismus und Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungsmythen.

In seinem Vortrag zum Thema „Schulterschluss einer neuen politischen Rechten in Zeiten von Corona?“ arbeitete Probst heraus, wie in der Bewegung „Querdenken“ Esoteriker und die neue Rechte die gemeinsame Erzählung von Verschwörungsmythen als populistische Strategie nutzen. In vier Schritten beleuchtete Probst zunächst den Zusammenhang von Krise, sozialen Ängsten und der Sehnsucht nach Autoritäten, um dann das Agieren der extremen politischen Rechten in Zeiten von Corona zu erläutern. Von den Verbindungslinien zwischen Querdenken und der politischen Rechten ausgehenden beschrieb Probst sodann die Gefahr der Radikalisierung durch Verschwörungsmythen.

Zunächst ging Probst dabei auf das Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Anlehnung an Wilhelm Heitmeyer ein, welches durch eine „Ideologie der Ungleichheit“ die Diskriminierungen der jeweils „Anderen“ rechtfertigt. Das Gefühl der Angst, welches in Deutschland seit den 2000er Jahren kontinuierlich durch politische Krisen in der Bevölkerung gewachsen sei, habe - nach der Agenda 2010 und zunehmender Migration - nun einen weiteren Höhepunkt in der Coronakrise erfahren, so Probst. Durch Abstiegsängste und allgemeine Zukunftsängste habe in den letzten Jahrzehnten ein Klima des „nach unten Tretens“ in Deutschland zugenommen. Die so letztlich durch Verunsicherung begründete Abwertung der vermeintlich „Anderen“ verstärke zudem die Sehnsucht nach Autoritäten und sei damit zentrales Motiv der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, die sich, so analysiert Probst, seit Corona maßgeblich verschärft habe.

Wie hierbei die jeweils „Anderen“ politisch konstruiert werden, zeigte Probst eindrücklich an der Positionierung der AfD zum Thema Corona, die hier zunächst die Gefahr der Verbreitung von Corona durch Migrant*innen beschwor, um später Corona selbst als „Erfindung“ der Regierenden zu bezeichnen. Dieses bewusste und gezielte Drehen der Argumentation, die homogene Volkszeichnung und das gleichzeitige Entgegenstellen dieses „Volkes“ gegen „die da Oben“ bilde dabei zusammen mit der grundlegenden Medien- und Wissenschaftsfeindlichkeit die drei Elemente des Populismus, der politischen Strategie der Rechten, konstatierte Hans-Ulrich Probst.

Weiter arbeitete er heraus, wie die Verbindungslinien zwischen der (neuen) Rechten und der Querdenken-Bewegung zusammenlaufen. Durch die populistische Strategie der Querdenken-Bewegung, in welcher ein „geeintes Volk“ beschworen werde, welches sich dem „Establishment“ entgegenstellen müsse und alles, was nicht in die je eigenen populistischen Deutungsmuster passe, als Fake-News negiere, grenze sich die Bewegung eben nicht von rechts ab, sondern erzeuge vielmehr wechselseitige Anschlussfähigkeit. Dies zeige sich, so argumentierte Probst, insbesondere durch die Parallelsetzung der Bundesregierung mit dem Hitlerfaschismus. Durch die gemeinsame Verwendung des Narratives „Wir, das Volk, sind durch die Regierenden gefährdet“ lasse sich die Ablehnung des Grundgesetzes begründen und führe damit letztlich in ein weiteres - der Querdenken-Bewegung und der Rechten gemeinsames - Narrativ über, in welchem der Widerstand gegen die sogenannte Corona-Diktatur beschworen wird.

Neben der unsäglichen Verharmlosung der Verbrechen des Faschismus berge dies weiter die Gefahr der zunehmenden - auch gewaltsamen - Radikalisierung, so Probst. Die beiden zentralen Motive von Verschwörungsmythen, der Wunsch nach Aufwertung auf der einen Seite sowie der Wunsch danach, die Dinge zu verstehen, auf der anderen Seite, bediene so die eingangs beschriebenen Unsicherheiten und Ängste der Menschen, wodurch sie für die unterschiedlichen Verschwörungsmythen empfänglich seien.

In seinem Fazit machte Probst daher nochmals deutlich, dass die Nutzung von Verschwörungsmythen die gemeinsame populistische Strategie der neuen Rechten und der Querdenken-Bewegung ist, welcher insbesondere im öffentlichen Diskurs begegnet werden sollte. Gemeinsam mit dem Publikum wollte Probst daher auch diskutieren, in wieweit die Kirche hier Verantwortung übernehmen könne. In Kleingruppen und im Plenum wurde abschließend über die Erfahrungen und Einschätzungen der Teilnehmer*innen diskutiert.

Natalie Hartmann (Evangelische Hochschule Ludwigsburg)

Reutlingen, 14.11.2019

Junge Menschen engagieren sich – ein Podium in der THR diskutiert die Demokratie der Zukunft

Junge Menschen, die teilweise noch nicht wahlberechtigt sind, finden neue Wege, um aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen. Aber was treibt diese jungen Menschen zu ihrem Engagement? Wie ist ihr Demokratieverständnis und welche Forderungen haben sie an die Politik? Das diskutierten Ricarda Schneider und Sophia Wüsteney von „FridaysForFuture Reutlingen“, Lukas Eitel aus dem Jugendgemeinderat Reutlingen, sowie Charlotte Porsch und Maximilian Heckeler vom Uhland-Gymnasium Tübingen und Marion Fros vom Studierendenparlament der Hochschule Reutlingen auf einem Podium im Rahmen des Studium Generales der Reutlinger Hochschulen in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen.

„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen.“ Mit diesem Zitat von Greta Thunberg starteten Schneider und Wüsteney ihren Kurzvortrag über die FridaysForFuture (kurz: FFF) Bewegung in Reutlingen. Ein halbes Jahr nach Greta Thunbergs Streik vor dem schwedischen Parlament und zwei Monate nach den ersten FFF-Demonstrationen in Deutschland gingen Schülerinnen und Schüler in Reutlingen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße. Ihre Forderungen seien der Kohleausstieg bis 2030, 100 Prozent Versorgung mit erneuerbarer Energie und die „Nettonull“ bis 2035. Letzteres meint eine Reduzierung der CO2-Produktion auf ein Niveau, das von der Natur oder von Speichersystemen kompensiert werden kann. In Zusammenarbeit mit dem Jugendgemeinderat Reutlingen hätten sie einen Antrag beim Reutlinger Gemeinderat gestellt. Darin fordern sie, dass alle Entscheidungen im Gemeinderat auf die Folgen für das Klima geprüft werden und die Stadt Reutlingen bis 2030 klimaneutral sein soll.

Über einen Zeitraum von zehn Monaten haben Schülerinnen und Schüler des Uhland-Gymnasiums Tübingen in Kooperation mit ihren Lehrkräften das Projekt „Schule-als-Staat“ umgesetzt. Die gewählte Repräsentantin Charlotte Porsch, in ihrer Funktion als „Staatspräsidentin“, und der „Kanzler“ Maximilian Heckeler stellten das Projekt vor. Das Gymnasium verwandelte sich in einen eigenständigen Staat ohne Verfassung. Diese musste erst noch erarbeitet und von den beteiligten Schülerinnen und Schülern verabschiedet werden. Im Wahlkampf für die „Parlamentswahlen“ im Februar 2019 entstanden hitzige Diskussionen beispielswiese zum Thema Umwelt, berichtete Heckeler. Insgesamt hätten sich sieben Parteien gegründet, von denen sechs ins Parlament eingezogen seien, erläuterte Porsch. Von der Verabschiedung von Gesetzen, über eine eigene Währung bis hin zu eigenen wirtschaftlichen Betrieben, habe dieses Projekt alle nötigen Prozesse zur Staatsbildung vereint. 

Das Studierendenparlament (kurz: StuPa) der Hochschule Reutlingen ist das höchste beschlussfassende Organ aller Studierenden. Marion Fros ist Teil des StuPas und stellte die Tätigkeiten und Aufgabenfelder vor. Die gewählten Mitglieder vertreten die Studierenden und kümmern sich um das Leben auf dem Campus. In Referaten, wie beispielsweise „Kultur & Events“, „Diversity“ oder „Hochschulsport“ können sich alle Studierenden beteiligen. Den Vorsitz des StuPas hat der Allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule (kurz: ASTA) inne. Dieser bestehe aus dem Vorsitz, dem Finanzreferat, der Schriftführung sowie zwei Beisitzenden. Er entscheide über die Gestattung von Projektanträgen und habe unter anderem das Ziel die Kooperation zwischen Studierenden und Präsidium zu fördern.

Der Jugendgemeinderat der Stadt Reutlingen besteht aus 24 Mitgliedern von unterschiedlichen Schulen im Stadtgebiet. Lukas Eitel hat sich zur Wahl aufstellen lassen und ein Mandat erhalten. Alle gewählten Vertreterinnen und Vertreter seien partei- und fraktionslos. Jede Schülerin und jeder Schüler habe die Möglichkeit, sich für die Wahlen aufstellen zu lassen, erklärte Eitel. Einen wichtigen Beitrag zur Arbeit des Jugendgemeinderats würden die verschiedenen Arbeitskreise leisten (kurz: AK): AK Nachtleben, AK ÖPNV, AK Umwelt und andere. Dort entstehen Ideen wie der Einbau von WLAN in die Reutlinger Busse und ähnliches. Diese Vorschläge reichten sie per Antrag in den Gemeinderat ein, der sie daraufhin bearbeitet. Zum Schluss seines Vortrags äußerte Eitel den Wunsch, dass er für den Jugendgemeinderat gerne ein Wahlrecht im Gemeinderat hätte.

In der abschließenden Diskussion wurden die Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Initiativen und Organisationen gefragt, was sie als Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin ändern würden. In einem Punkt waren sich alle einig: Sie würden die Klimapolitik vorantreiben. Daran anschließend solle die weltweite Kooperation der Länder verstärkt und die Souveränität der Staaten geschwächt werden, forderte Eitel. Denn nur dann könnten gemeinsame Ziele erreicht werden.

Der nächste Vortrag des Studium Generale findet am 20. November 2019 um 18.15 Uhr zum Thema „Digital und global, aber auch gerecht?“ auf dem Campus der Hochschule Reutlingen statt (Gebäude 9, Raum 040).

Christoph Grohsmann, Presseabteilung der Hochschule Reutlingen & Christof Voigt, Theologische Hochschule Reutlingen

Bericht vom 8. Mai 2019

Übernehmen Alexa, Siri und Google Home das Ruder?

Studium Generale thematisiert Technikglaube, neue Gottesbilder und technologischen Fortschritt

Welche Veränderungen entstehen für den Menschen durch die fortschreitende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI)? Werden beispielsweise Intelligente Assistenten (wie Alexa, Siri und Google Home) immer mehr die Steuerung unseres Alltags übernehmen? Diese und weitere Fragen diskutierte Prof. Stephan von Twardowski von der Theologischen Hochschule Reutlingen in seinem Vortrag zum Thema „Und was wird aus uns? – Künstliche Intelligenz und das Selbstverständnis des Menschen“.

Die Künstliche Intelligenz ist bereits in vielen Lebensbereichen des Menschen integriert. Dabei soll sie nicht nur in Unternehmen Arbeits- und Produktionsprozesse optimieren, sondern auch das Leben von Menschen vereinfachen. Durch die Nutzung von sogenannten schwachen KI’s wie Smartphones, intelligenten Assistenzsystemen und Uhren wirken die Optimierungsprozesse direkt auf den Menschen. Darüber hinaus schreitet die technologische Entwicklung so rasant und in teilweise unabsehbarem Ausmaß voran, dass die Erwartung zunehme, die KI könne in Zukunft auch existenzielle und soziale Probleme lösen.

Stephan von Twardowski plädierte dafür, die Entwicklung der KI und die damit einhergehenden Veränderungen für den Menschen nüchtern zu betrachten. Aktuelle Diskussionen bewegten sich derzeit zwischen Euphorie und Apokalyptik. Dabei könnten durch eine sachliche und intensive Auseinandersetzung eher sinnvolle Grenzen und Kontrollen gesetzt werden.

Aber was genau ist Künstliche Intelligenz und wie wird sie definiert? Im Vergleich zu Geräten ohne KI, etwa einem Taschenrechner, gleichen KI’s aktuelle Daten mit alten ab: „Die Maschine trainiert sich selbst und verknüpft anschließend diese Daten miteinander.“ Dadurch entstehe ein neuronales System, welches die Grundlage für das so genannte „deep learning“ bilde - „deep“, weil dies unterhalb der Wahrnehmung des Menschen stattfinde. Prof. von Twardowski warnte vor einem blinden Vertrauen in Algorithmen, denn die neuralen Netze seien so komplex, dass sie kaum vom Menschen zu erfassen seien.

Die technische Entwicklung verändere die unterschiedlichsten Lebensbereiche des Menschen. Auch zwischenmenschliche Beziehungen und die Beziehung zu Gott seien da nicht ausgeschlossen. Viele Menschen hätten blindes Vertrauen in neue Technologien und gäben der KI eine nahezu gottähnliche, mächtige Funktion. Über diese veränderten Ideologien, blinden Technikglauben, aber auch überzogene Ängste vor der KI sollte nüchtern diskutiert werden. Nur dann könne der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf unseren Alltag realistisch eingeschätzt werden.

Christoph Grohsmann, Presseabteilung der Hochschule Reutlingen

Bericht vom 7. November 2018

Das Internet der Dinge

Wenn der Kühlschrank meldet, welches Ei ins Omelette soll

Per Tastendruck am Smartphone den Toaster so in Gang setzen, dass das Röstbrot exakt zum geplanten Zeitpunkt und mit der gewünschten Knusprigkeit auf den Frühstücksteller kommt, und dazu den Kaffeeautomaten anweisen, zum Toast eine Tasse schmackhaften Kaffees bereitzustellen - alles kein Problem für das Internet der Dinge. Dieses macht herkömmliche Produkte wie den Toaster oder die Kaffeemaschine smart, indem es sie mit Konnektivität - vor allem zum Smartphone - ausstattet.

In einem munteren und kurzweiligen Vortrag in der THR am 7. November 2018 im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen stellte die Referentin Ainara Novales solche und weitere Produkte vor. Sie forscht als Doktorandin an der Hochschule Reutlingen und der Rotterdam School of Management. Ihr Ausgangspunkt war die ökonomische Seite des Fortschritts, nicht die technische. Und als Ökonomin interessierte sie sich in ihrem Vortrag mehr für die Produzenten als für die Verbraucher.

Wo habe ich mein Auto abgestellt? Mein Smartphone kennt den aktuellen Standort. Es weiß auch, wie sparsam ich derzeit im Schnitt unterwegs bin. Wie steht es um mein Körpergewicht, meinen Puls, meine Atmung? Das Smartphone gibt Antwort. Und sogar die Eierschachtel im Kühlschrank meldet dem Smartphone, welches Ei als erstes (Verfallsdatum!) ins Omelette gehört - das wurde den Anwesenden per Liveübertragung eindrucksvoll vorgeführt (leider ohne Omelette).

Nicht überraschend, aber eben doch sehr interessant ist, dass die Hersteller eine Hauptaufgabe darin sehen, für ihre smarten Produkte überhaupt erst bedeutsame Nutzanwendungen für den Verbraucher zu suchen. - Mal sehen, ob eher die Nachfrage- oder die Angebotsseite den Markt bestimmen wird!

Die anschließende ebenso lebendige Diskussion brachte Fragen nach den ökonomischen Chancen und Risiken für die beherrschenden Weltmarktführer und die kleinen Nischenunternehmungen auf. Sehr konkret waren dann die Fragen nach dem erhöhten Energiebedarf, nach gesundheitlichen Risiken durch vermehrte Strahlung und nach der Datensicherheit. - Die Referentin antwortete im Großen und Ganzen mit einem fröhlichen Zukunftsoptimismus: Wir sind die Generation, die das jetzt 'mal probiert.

Christof Voigt, Theologische Hochschule Reutlingen

Bericht vom 24. Oktober 2018

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Die Frage blieb offen. Aber die gefühlte Antwort war: Auf gar keinen Fall - und dennoch wird es bald so kommen! Prof. Dr. Michael Wörz hielt im Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen den Eröffnungsvortrag in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft".

Michael Wörz ist Diplom-Ingenieur und Philosoph und Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs, also der Ideengeber und Ansprechpartner für zahllose Ethikbeauftragte an den Hochschulen. In seinem einleitenden Vortrag hob er darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die ungeheuer schnelle Entwicklung der KI (der Künstlichen Intelligenz) und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also bis in seine ersten Voraussetzungen hinein auf neue Gegebenheiten einstellen. Dann eröffnete Wörz einen sokratischen Dialog (wie er es nannte) und gewann wertvolle Beiträge im Zwiegespräch mit der sehr zahlreichen Hörerschar, die sich als höchst kompetent erwies. KI ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen nunmehr selber lernen, also wachsen und sich verbessern. Die Entwicklung der KI schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen auch Zeitungsartikel und schreiben sogar Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt wird von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Oder vielleicht doch das, was mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun hat? Seelsorge?? Man kann sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein. Wie der Fortschritt zu steuern sei - wenn überhaupt -, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuert, sondern andersherum der Mensch von der Maschine gesteuert wird.

Dem Referenten war daran gelegen, in der THR immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Wird KI das theologisch Höchste überflüssig machen oder ersetzen? Wie sind Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was sind Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier liegt eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern betreffen. Prof. Dr. Michael Wörz meinte: Wenn Theologie sich nicht jetzt um Antworten auf diese Fragen bemühe, werde es für sie bald zu spät sein, genau so wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.

Christof Voigt, Theologische Hochschule Reutlingen